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künstlerhaus, salzburg

    allgemeine bauzeitung, 1887:
    das künstlerhaus in salzburg.

    architekt: professor hyazinth michel in salzburg.

    das künstlerhaus verdankt seine entstehung einer anzahl kunstsinniger männer, welche sich die edle aufgabe stellten, der bildenden kunst – vornehmlich der malerei – hier eine heimstätte zu bereiten, in ähnlicher weise, wie es das hiesige mozarteum der musik gegenüber schon seit jahren thut. diese idee fand vom anfange an das wohlwollendste entgegenkommen, und ein comité, mit dem statthalter exzellenz grafen thun an der spitze, nahm die angelegenheit in die hand. nachdem die hohe protektion seiner kaiserlichen hoheit des durchlauchtigsten herrn erzherzogs ludwig viktor hiefür gewonnen war, schritt man an die zu lösende aufgabe. sie zerfiel in zwei theile: erstens beschaffung der geldmittel, zweitens ausführung des neubaues.

    zunächst wurde der salzburger kunstverein mitinteressirt, indem selber nicht nur seinen sitz im neuen hause aufschlagen, sondern geradezu eigenthümer desselben werden sollte. dagegen hatte er die verpflichtung zu übernehmen für die erhaltung in zukunft zu sorgen und einen kleinen vorhandenen fond von einigen tausend gulden für den bau zu widmen. eine sammlung freiwilliger beiträge wurde eingeleitet, welche durch die munifizenz des allerhöchsten kaiserhauses und vieler anderer hochherziger gönner ein glänzendes resultat ergab. ausserdem war das ergebniss einer lotterie in aussicht, zu welcher als treffer kunstwerke von bedeutendem werthe in grosser zahl zur verfügung gestellt wurden. ein ärarisches grundstück an der salzach frei gelegen, zu dem zwecke wie geschaffen, wurde zu den denkbar günstigsten bedingungen erworben und als bauplatz bestimmt. man konnte somit zur ausführung des gebäudes schreiten. das programm verlangte folgendes: eine anzahl maler-ateliers und damit in verbindung einige ausstellungsraume. nach bedarf soll man auch die ateliers zu ausstellungszwecken heranziehen können diese letztgenannten sollten verschieden gross, möglichst mit nordlicht versehen sein. alles dies wurde in einem hochparterre untergebracht, welches man durch eine freitreppe 2.5 meter über dem terrain erreicht; diese führt in ein vestibule mit portier- und garderoberaum; ein 2.7 meter weiter gewölbter korridor stellt die verbindung mit jedem einzelnen raume her. in der mittelaxe liegt der grosse ausstellungssaal mit zirka 200 quadr.-m. und 9 meter höhe und wird durch oberlicht erleuchtet. gegen nord, ost und west sind die ateliers gelegen, die ersteren blos mit seitenlicht, jene aber, wo das letztere zu gewissen stunden durch die sonne unbrauchbar wird, auch mit oberlicht versehen. alle bekamen die ansehnliche lichte höhe von 6.5 meter, um sehr hoch einfallende beleuchtung zu erreichen.

    durchgehends sind dunkelgebeizte holzplafonds ausgeführt. die zwei grössten ateliers haben eine bilderversenkung für die ausführung von grossen gemälden. im tiefparterre sind alle räume gewölbt, für magazine etc. bestimmt. zum auspacken und transportiren der gemälde ist ein eigener raum mit aufzug vorhanden. auch ein kleiner stall zur aufnahme von modellen für thiermaler ist daselbst untergebracht. die anlage der sonstigen nöthigen nebenräume ergibt sich aus den planskizzen.

    die mauern im fundamente und tiefparterre sind aus beton; soweit sie ausserhalb des terrains sichtbar sind, wurden sie mit untersberger marmor-quadern verkleidet. das weitere ist aus ziegeln und bruchsteinen und verputzt. die eindeckung ist von eisenblech. die gesammtkosten, einschliesslich der inneren einrichtung, gas- und wasserleitung, planirung etc., betragen zirka 85.000 fl.

    quelle: anno, allgemeine bauzeitung, 1887.

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