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um sich dem thema zu nähern kann man wie sloterdijk, wenn er sich der gewalt nähert, eine übung vorausschicken: „dass die sache nicht von vornherein falsch objektiviert wird, scheint es mir ratsam, gleich zu beginn die distanzillusion platzen zu lassen, die uns selbst in eine befriedete zone und die gewalt vor die grenze plaziert. was ich statt dessen vorschlage, ist eine übung im sphärischen denken - wobei sphäre dem griechischen wortsinn gemäß mit kugel übersetzt werden soll. gehen wir also unser thema im stil einer kugelmeditation an. nachdenken über gewalt könnte beginnen mit dem andenken jener hyper-kugel, die hier ohne weitere rechtfertigung als sein bezeichnet werden soll. dasein hieße immer, in einer sphäre sein oder von einer sphäre enthalten werden. meine these lautet nun, dass das, was wir meistens ohne nachdenken und mit blick auf einzelfälle als „gewalt“ bezeichnen, seiner natur oder ausbreitungsform nach ein sphärisches format hat. wenn „es“ sie „gibt“, dann im modus des überall-seins, man könnte auch sagen: in elementarischer oder medialer verteilung. man kann der sphäre, die einen umschließt, also nicht gegenüberstehen wie einem tafelbild“. kurzum, wir befinden uns im lebensraum schon immer drin. das klingt banal. aber es wehrt die vorstellung ab, dass das drin-sein wie ein gegenstand einer schachtel vorkommt. vielmehr ist das drin-sein eine fundamentale verfassung unserer existenz in dem sinn, dass wir die wirklichkeit immer durchwirken, sowie sie uns immer durchwirkt. das ist heideggers „schon-sein-in“ plus deleuze/ guattari's „taumel der immanenz“.
der mensch ist seiner verfassung nach selbst räumlich. nur deshalb können wir uns durch den raum bewegen, zusammenhänge verstehen und uns mitteilen. nur deshalb können wir uns durch eine bestimmte objektwelt einrichten und ausdehnen. mittlerweile hat auch die chaostheorie erkannt, dass zwei körper in einem raum, auch wenn sie voneinander getrennt sind miteinander in verbindung stehen und „aktiv korreliert bleiben“, - und zwar „direkt und unmittelbar“, ohne geheimnisvolle kräfte und felder.“
aus: franz xaver baier, der raum. verlag der buchhandlung walther könig, köln, 2000.
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